Das Unwohlsein genießen

Am Fühlen führt kein Weg vorbei. Warum ist das so schwer?

Morgen ist wieder Kurs. Seit dem letzten Kurs fühle ich mich deswegen elend. Es bedroht mich. Egal was ich versuche, es bleibt.

Es zulassen, dieses merkwürdige Gefühl, das erscheint mir unmöglich. Ich kämpfe bis es nicht merh geht.

Ich fühle meinen Körper, totale Spannung, der Magen ist ein einziger Krampf. Ich bin auf der Hut, in ständigem Check-Modus, meine Strategie gegen die Haltlosigkeit.

Wenn wir als Babys Haltlosigkeit erfahren, und dass ist immer, wenn unsere Bezugspersonen nicht angemessen auf unsere Bedürfnisse reagieren, dann übernehmen wir sofort und versuchen uns selbst zu halten, denn alles andere ist lebensbedrohlich. Hypervigilanz ist mein Muster.

Ich merke ich will das nicht akzeptieren. Ich sträube mich dagegen, dass es mir oft, meistens so geht.

Was wäre, wenn du dich dem was ist überlassen würdest?

‚Das geht auf gar keinen Fall, nein, nein, nein!‘

Was befürchtest du dann?

‚Ich zerplatze in tausend Teilchen, wenn ich nicht alles zusammenhalte, dann zerplatze ich in tausend Teile.‘

Kannst du dich einfach platzen lassen?

‚Hm. Na ja, vielleicht. So kann ich jedenfalls nicht mehr.‘

Ich sehe mich platzen, ich Millionen winziger Glitzerteilchen, sie fallen haltlos in ein dunkles Loch, tiefer und tiefer und tiefer, es ist so hoffnungslos, ich weine. Plötzlich fangen die Glitzerteile an sich zu ordnen, sie formen einen Kometenschweif und schweben durch die Galaxie, schweben und tanzen. Einen Verzweiflungstanz. Für mich gibt es keine Erlösung. Das höre ich.

Irgendjemand fragt: ‚Hast du Vertrauen ins Leben?‘

Nein, weine ich bitterlich, nein, ich habe kein Vertrauen, ich hätte so gern eines, aber es geht nicht.

‚Das Vertrauen ist jedem Menschen angeboren,‘ sagt die Stimme, ‚auch dir, du hast nur die Verbindung verloren‘.

Ich weiß nicht, mir geht es immer nur schlecht, ich fühle nur Unangenehmes egal was ich mache, für mich gibt es kein schönes Leben.

‚Was erwartest du eigentlich? Was ist ein schönes Leben?‘

Ich möchte es genießen, ich möchte mein Leben genießen und nicht fürchten.

‚Und warum genießt du nicht das, was dir das Leben bringt, also das Unangenehme, die Angst?‘

Häh? Wie meinst du das?

‚Wie ich es sage. Du willst nur das genießen was du haben willst, du kannst aber sofort das Leben genießen, jetzt auf der Stelle. Genieße das Unwohlsein, entspann dich hinein, schmelze hinein. Ja hineinschmelzen. Wenn du so eine Rolle auf der Bühne spielen würdest, würdest du deswegen leiden?

Nein.

Eben, du würdest da voll hineingehen und es so richtig genießen.

Ja, das stimmt.

Und warum?

Weil es nur ein Spiel ist.

Und was ist der Unterschied zum Leben?

Das ich damit auch aufhören kann, dass ich die Kontrolle habe.

Und kannst du es genießen, auch wenn du nicht die Kontrolle hast?

Ja, schon, eigentlich, genießen ist besser als nicht genießen, es ist sowieso da. Also voll hineinschmelzen und sich ergeben. Wie hier:

Peanuts

Gibt es den inneren Frieden wirklich?

Ich bin total runtergefahren. War zu erwarten, dass ich irgendwann nicht mehr kann nach dieser dramatischen Woche. Eigentlich könnte ich entspannt rumliegen, es gibt keine besonderen Anforderungen, das mache ich zwar, aber innerlich komme ich nicht zur Ruhe.

Denn nach dem Kurs ist vor dem Kurs. Der nächste Donnerstag schwebt wieder als drohendes Unheil in meinem Inneren. Ich kann es nicht ändern. Ich wollte wenigstens das Wochenende Pause haben, es einfach wegdrücken oder nicht beachten, aber das funktioniert einfach nicht. Es gibt keine Pause.

Ich bin gefangen im Drama-Karusell. Ich will nicht mehr. Wie kann das aufhören? Kann das überhaupt aufhören?

Ich lausche nach innen, vielleicht kann mir meine innere Führung eine Hilfe geben, alles andere erscheint mir sinnlos, erforschen, hinterfragen, ich weiß ja schon die Hintergründe aber es nützt nichts.

‚Wehren nützt nichts, schließe es ein‘, höre ich.

Ich mache es, alles sinkt nach unten, mir wird übel, aber es fühlt sich richtig an, befriedet.

Der innere Frieden kommt durch das Lassen, Annehmen, Einschließen. Ich kann mit ‚lassen‘ und ‚annehmen‘ nicht so viel anfangen, aber mit ‚einschließen‘, das hat eine Wirkung, das versteht mein Körper.

Puh, die Schmerzen sind da, auch einschließen, ja, das beruhigt. Ich werde immer mehr mit mir zusammen gebracht, ich fühle Mitgefühl mit meiner Situation, ich höre auch die üblichen ’so darf es aber nicht sein‘ Stimmen, die sind da, aber sie steuern nicht mehr.

Für diesen Moment bin ich in Frieden. Es gibt ihn, es gibt ihn den inneren Frieden, der von außen unabhängig ist. Denn nichts hat sich im Außen geändert, aber der Kampf hat aufgehört.

Für einen Moment vielleicht nur, aber dieser Moment hat eine Autorität die gilt.

Stop in the Name of Love

Innehalten geht nur schriftlich. Zu dieser Zeit höchsten Drucks jedenfalls. Ansonsten peitsche ich mich durch den Tag.

Und das ganz Erforschen nützt ja wenig, wenn ich nicht aktiv mein Verhalten ändere. Verhalten ändern ohne mit den zugrundeliegenden Mustern zu arbeiten nützt noch weniger. Aber das ist nicht mein Thema.

Ich liebe erforsche, hinterfragen, in den Dialog gehen, Körperübungen, alle Übungen, üben ist mir das Allerliebste. Ich habe manchmal Tage, die verbringe ich ausschließlich mit üben.

Aber machen, die Tat, das ganze Geübte, Erforschte, in die handelnde Realität bringen, das scheue ich.

Das betrifft nicht nur das Essen, es betrifft alles. Einen Stopp zu meinem Wohl zu setzen fällt mir schwer. Das kann man sogar in der Bewegungsanalyse sehen. Der Fließrhythmus ist ganz meiner, dort kann ich mich ewig aufhalten, also mich treiben lassen, hier ein wenig, dort ein wenig, la, la, la, den Stopp-Rhythmus mag ich gar nicht. Da muss ich aktiv eine Entscheidung treffen, eine klare Handlung vollziehen.

Und so zerrinnt meine Zeit, während ich es nicht schaffe eine Struktur hineinzubringen. Das gilt sowohl beim Vermeiden von Aufgaben als auch bei der Arbeit. Wenn ich in einem Modus bin, kann ich mir schwer eine Änderung erlauben. Wenn ich am Schreibtisch sitze und merke, dass ich total müde bin und mir vornehme mich kurz hinzulegen, dann sage ich mir innerlich ‚ja, gleich‘ und mache noch ein wenig dies und ein wenig das, und schwupps ist die Zeit rum und ich kann mich nicht mehr hinlegen. Und das passiert nicht einmal, sondern sehr, sehr oft.

Eben hatte ich einen Kuchen für den Kindergeburtstag morgen in den Ofen geschoben, setze mich an der Schreibtisch und obwohl ich, als es Zeit wurde, wusste, dass ich jetzt nach dem Kuchen schauen muss, tat ich es nicht, ich schindete innerlich Zeit (keine Ahnung wieso), so dass er mir ein wenig angebrannt ist. Ich verstehe mich selbst nicht. Warum fällt mir das so schwer?

Ich habe gerade in meinem Lehrbuch über den Stopp-Rhythmus gelesen. Es ist typisch für Suchtverhalten, das der Stopp-Rhythmus fehlt. Der Rhythmus des Unterbrechens. Fließrhythmus ist dagegen das Laufenlassen. Das Zusammenspiel der beiden braucht ein Gleichgewicht. Das ist bei mir eindeutig nicht da.

Das fehlende Stopp zeigt, das ich das Leben nicht in die Hand nehme und mich scheue Dinge zu entscheiden, so steht es weiter, und kann eine Folge von traumatischen Erlebnissen sein. Je weniger wir von uns aus ein Stopp setzen, desto mehr lassen wir uns von äußeren Faktoren bestimmen.

Und ich ergänze: auch von inneren Faktoren.

Genau jetzt ist es wieder soweit. Ich wollte weiter kochen, aber stehe einfach nicht auf. Ich zögere es hinaus.

Warum?

Ich will nicht.

Du willst nicht kochen?

Doch schon, ich will nicht aufstehen, ich will nicht unterbrechen.

Weil?

Das so anstrengend ist.

Inwiefern?

Das braucht so viel Kraft, irgendwie, mich durchzusetzen.

Gegen wen?

Gegen die Resignation.

Oh. (Ich fühle rein, und tatsächlich, da ist ein Teil, der ganz resigniert in der Ecke liegt und gar nichts tun will)

Was ist los mit dir Resignation?

Alles ist sinnlos.

Was ist alles?

Bemühungen, Hoffnungen, Anstrengungen, alles sinnlos.

Was bedeutet sinnlos?

Nichts wird sich jemals ändern.

Das ist mir zu schwammig. Was wird sich nicht ändern?

Die Aussichtslosigkeit.

Hm. Ich verstehe es immer noch nicht.

Egal was ich tue, es ändert nichts.

Naja, wenn du ins Wasser gehst, wirst du nass, oder?

So was meine ich nicht.

Ja was meinst du denn?

Sinnlos, Anstrengungen sind sinnlos, nichts ändert sich.

Hast du dich schon mal angestrengt?

Und wie, ich habe gekämpft und gekämpft bis zur totalen Verausgabung, aber es hat nichts genützt. Ich wurde nicht gesehen, ich wurde nicht beschützt, ich wurde nicht geliebt. Das ist einfach so.

Ich weiß, ich weiß sehr wohl. Aber weißt du, das die Menschen von denen du das damals gewollt hast dazu überhaupt nicht in der Lage waren, es also tatsächlich aussichtslos war?

Ja.

Und weißt du auch, dass du das damals nicht wissen konntest, du hattest gar keine andere Wahl als so zu handeln?

Ja.

Und weißt du auch, dass du heute einen Überblick hast, du hast die Fähigkeit einzuschätzen ob etwas aussichtslos ist oder nicht, du bist in der Lage dich aus aussichtslosen Situationen zu entfernen. Du bist nicht mehr ausgeliefert. Weißt du das?

Irgendwie nicht. Das verwirrt mich jetzt. Echt?

Ja. Du musst deine Kraft nicht mehr in aussichtslose Dinge stecken. Du kannst beurteilen welche Dinge aussichtslos sind. Du kannst deine Kraft in die Dinge stecken, die eine realistische Chance haben.

Oh. Das stellt meine Welt auf den Kopf. Da muss ich nachspüren.

Ich stelle dir trotzdem noch eine letzte Frage. Wenn es ums Essen geht, um ein Stopp beim Essen, glaubst du, es besteht die realistische Chance, dieses Muster zu ändern? Glaubst du der Krafteinsatz lohnt sich?

Obwohl ich keinen Menschen kenne, dessen dahingehende Entwicklung ich wirklich selbst miterlebt hätte, sondern solche dauerhaften Veränderungen von Mustern nur aus Erzählungen kenne, deren Wahrheitsgehalt ich nicht überprüfen kann, glaube ich trotzdem daran. Tief drinnen weiß ich, dass die Fähigkeit ein Stopp zu setzen sehr wichtig für mich ist. Sehr wichtig.

Ein Stopp aus Liebe.

Hungerskala

Ich liebe Geneen Roths Homepage. Völlig kostenlos und für jeden zugänglich stellt sie eine große Menge motivierender Artikel zur Verfügung.

Gestern stolperte ich über etwas. Sie schrieb etwas von einer Entscheidung treffen ob wir bis 5 oder 7 essen. Da stutzte ich. Ich schaute in ihrer Hungerskala nach, und sie stuft 5 als gerade satt ein, 7 aber schon als leicht zu viel. Soweit gut. 6 wäre ja dann auch noch ok.

Bei meinen Recherchen stieß ich auf eine Seite, die alle möglichen Hungerskalen vergleicht, die es im amerikanischen Raum so gibt. Und dort stehen auch solche Sachen wie: Zum Abnehmen bis 5 essen, zum Gewicht halten bis 6, zum Beispiel. Ob 5 oder 6 oder welche Zahl das nun ist, ist ja nicht relevant, sondern dass übereinstimmend gesagt wird, um abzunehmen essen bis wir gerade satt sind, wenn wir gut satt werden, behalten wir das Gewicht und wenn wir zu viel essen nehmen wir zu.

Das rückt für mich die Dinge wieder gerade, denn die einzige Zeit in der ich abgenommen habe, gut abgenommen, da habe ich nur bis 5, maximal 5,5 gegessen. Bis 7 essen, was teilweise für mich auch schon zu schwer ist, besonders am Abend, würde ja ein Halten des Gewichts bedeuten.

Ich nehme damit nicht ab. Das hat mich schon lange frustriert. Aber klar, eigentlich logisch, dass es eine andere Menge Essen braucht um das Gewicht zu halten als abzunehmen. Egal auf welche Art man es anstrebt, Gewichtsverlust bleibt ein Rechenbeispiel. Und wenn ich also mit 7 mein Gewicht halte, ist es mehr als logisch, dass ich zum Abnehmen nur bis 5 oder 6 essen kann, damit es funktioniert.

Ach ja, und ebenfalls eine entscheidende Rolle spielt der Zeitpunkt des Essens, hungrig bin ich bei 3 oder 4, aber wenn ich abnehmen will sollte das Essen erst bei 3 beginnen und nicht schon bei 4. Das wäre wieder Gewicht halten.

Mein Körper geht in starke Resonanz dazu. Tief innen, weiß ich dass es so stimmt, auf jeden Fall für mich. Die Erfahrung hat es mir gezeigt. Bis 7 essen oder bei 4 essen führt bei mir zu keinem Gewichtsverlust. Deswegen habe ich nicht abgenommen, obwohl ich dachte keinen Essanfall zu haben (bis 7 eben). Deswegen habe ich auch zugenommen, wenn ich bis 8 gegessen habe, auch wenn ich immer warte bis ich wieder Hunger habe, aber erstens ist 8 einfach zu viel und zweitens ist bei 4 essen zu früh. Zum Abnehmen wohlgemerkt.

Das ist völlig klar, dass es etwas ganz anderes ist, wenn es ums Gewicht halten geht. Wie bei den dicken Dünnen.

Ich spüre schon lange Zeit, dass für mich etwas nicht stimmt an diesem Hungerskala-Gesamtsystem, bin ich froh, dass es sich nun absolut stimmig anfühlt.

Bleibt nur die Enttäuschung, dass es eben nicht ganz so einfach ist. Denn bis 3 warten ist für mich kein Problem, achten muss ich trotzdem darauf. Aber bis 5 oder maximal 6 zu essen, das ist eine echte Herausforderung. Obwohl ich da deutlich keinen Hunger mehr habe. Müsste ja völlig in Ordnung sein. Ist es aber nicht. Schon das Aufschreiben fühlt sich nach darben an. Und trotzdem weiß ein Teil ganz genau, dass das der richtige Weg für mich ist, ein weiterer Stolperstein ist aus dem Weg geräumt.

Bin gespannt wie sich das entwickelt. Nach dem Frühstück bin ich schon auf 7, merke ich gerade. Kein Wunder dass ich nicht abnehme.

Was will ich wirklich?

Gestern habe ich die Karte der gesunden Lebensweise gezogen: ‚Ernähre dich gesund, gönne die ausreichend Schlaf und trainiere regelmäßig um optimale Gesundheit zu erlangen.‘

Das ist erstaunlich, weil ich tatsächlich vor lauter Ängsten und Arbeit damit das Thema Selbstfürsorge wieder ziemlich weit hinten an gestellt habe. Selbstfürsorge ist das erste was nicht mehr zählt. Auch wenn es mir besonders gut geht. Nur in neutraler Stimmung, wenn es mir nicht besonders gut und auch nicht besonders schlecht geht habe ich dafür die nötige Ruhe.

Oder besser gesagt, kann ich sie mir erlauben.

Das Erlebnis- und Arbeitskarussell dreht sich zur Zeit immer schneller, in zwei Tagen Kindergeburtstag mit recht aufwendiger Vorbereitung, dann Seminar, dann nächste Woche der erste Kurs. Keine Zeit zum Luft holen. Dabei ist es ja in solchen Zeiten besonders wichtig. Denn wenn ich jedes Mal wenn der Pegel nach oben oder unten ausschlägt nicht mehr stattfinde, ist es kein Wunder, dass ein Teil von mir jede Entfernung von der Nulllinie ablehnt.

Keine Zeit zum Luft holen. Damit kann ich gleich arbeiten.

Wieso nicht?

Es ist einfach nicht die richtige Zeit dafür. Anderes ist wichtiger.

Was heißt für dich eigentlich Luft holen?

Anhalten, innehalten, sich um sich selbst kümmern.

Und warum ist das Andere wichtiger?

Weil es gemacht werden muss.

Ja, klar, und warum nicht beides?

Wenn sie zu viel auf sich achtet, schafft sie den Rest vielleicht nicht mehr.

Hm. Isst sie denn nicht sowieso, auch in solchen Zeiten, atmet sie nicht sowieso, macht sie nicht sowieso Pausen?

Ja, schon.

Warum kann sie nicht mit sich verbunden bleiben, sogar während der Arbeit?

Ich möchte sie schützen, sie soll nichts spüren, dann geht es schneller vorbei.

Aber das ist ihr Leben, es geht an ihr vorbei sobald sie zu tun hat, oder Angst hat, oder besonders aufgeregt ist.

Ja, stimmt.

Was befürchtest du? Warum soll sie das nicht fühlen?

Das ist eine ganz alte Sache, ganz alte Wunden. Sie war früher absolut allein, allein mit all den schwierigen Gefühlen, mit all der Angst und auch mir all dem Unwillen, der Überforderung. Die Dissoziation hat gut geholfen, damit hat sie es irgendwie überstanden. Aber du hast recht, heute ist das kein hilfreicher Mechanismus mehr. Heute darf sie fühlen und verbunden bleiben. Im Gegenteil, es ist viel schwerer und mit schädlichen Nebenwirkungen verbunden wenn sie es nicht tut.

So, das war jetzt notwendig. Ich bin wieder ausgerichtet auf das was für mich wirklich wichtig ist. Darum geht es, sich immer wieder daran zu erinnern.

Ich will in Liebe leben, zu mir, zum Leben und zu allem. Ich will ohne Drama leben, in Leichtigkeit. Das rutscht mir schnell weg, verständlich, wo meine Geschichte mir Härte beigebracht hat. Aber auch Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen.

Und genau diese Qualitäten kann ich auch in den Dienst für mich stellen statt gegen mich. Denn es braucht mindestens eine tägliche Ausrichtung und eine unerschütterliche Fokussierung. Der Erledigungszombie schiebt sich sonst sofort in den Vordergrund.

Ich bin dankbar dass ich mir die Zeit dafür genommen habe. Ich bin sehr gespannt wie der Tag wird.

Was würde die Liebe tun?

Wer wäre ich ohne meine Angst? Wer wäre ich ohne mein Drama?

Was würde ich dann tun? Wie würde ich es tun?

Ich merke, ich habe am meisten Angst davor keine Angst zu haben. Es ist, als gäbe es mich dann gar nicht mehr.

Aber wie wäre es?

Ich würde einfach das tun, was mich anspricht und interessiert, würde mich nicht aufhalten und klein halten lassen. Vielleicht wäre ich dann erfolgreich, vielleicht wäre ich dann hilfreich, vielleicht würde ich dann glänzen, das macht mir so richtig viel Angst. Vielleicht hätte ich viel mehr Zeit, weil ich mich nicht mehr in dem Drama verlieren würde. Dann müsste ich das tun, was ich kann, dann hätte ich keine Ausrede mehr, dann müsste ich mein Potential voll ausschöpfen. Oh mein Gott, macht mir das Angst.

Wie Marianne Williamson sagt, unsere größte Angst ist es nicht unzulänglich zu sein, unsere größte Angst ist zu leuchten, strahlend, bezaubernd, begnadet und phantastisch zu sein. Wir fragen uns, wer bin ich denn schon, um das sein zu dürfen?

Williamsons Antwort: Wir sind alle Kinder Gottes. Wir sind dazu bestimmt zu strahlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes in uns zu verwirklichen.

Und ich? Was sage ich dazu?

Das klingt zu schön um wahr zu sein.

Aha. Was soll das bedeuten?

Es gibt keine Freude, kein Strahlen, kein Licht, keinen Gott, all das existiert nicht, das sind schöne Phantasien, mehr nicht.

Was ist eine Phantasie?

Etwas was man sich nur vorstellt. Ausdenkt.

Ok. Und existiert sie dann nicht, die Vorstellung?

Doch, die Vorstellung schon.

Ja, und was existiert dann nicht?

Das Tatsächliche.

Hm, was soll das denn sein. Was wäre etwas Tatsächliches, was dann existieren müsste?

Freude, Strahlen, Licht, Gott.

Und das existiert nicht?

Nein.

Woher weißt du das?

Das wäre zu schön um wahr zu sein.

Und das reicht als Beweis für die Nichtexistenz?

Ja. Das Leben ist nicht schön und leicht und strahlend.

Woher weißt du das?

Ich kenne nichts anderes.

Ok. Und gilt das für jeden?

Nein, bei anderen mag es vielleicht anders sein.

Das heißt, du räumst ein, dass die Möglichkeit grundsätzlich existiert?

Ja, das muss ich, manche behaupten das ja, und ich kann nicht das Gegenteil beweisen. Aber für mich gilt das nicht.

Woher weißt du das? Vielleicht hast du es noch nicht erlebt, ok. Aber wenn die Möglichkeit grundsätzlich existiert, warum nicht auch für dich?

Bei mir funktioniert das nicht.

Was?

Die Freude, das Strahlen usw.

Was funktioniert dann?

Schwere, Leid, Anstrengung, Angst, Drama.

Hast du schon mal probiert, dem anderen auch eine Chance zu geben? Dich aktiv zuzuwenden?

Nein.

Dann kannst du gar nicht wissen ob es funktioniert.

Stimmt.

Könntest du dir vorstellen es zu probieren?

Hm. Vielleicht. Aber ich weiß nicht wie. Ich könnte mich fragen, ob da irgendwo auch Freude ist, bei aller Angst. Ob da irgendwo auch Leichtigkeit ist bei allem Drama. Ob es irgendwo ein Strahlen gibt. Gezielt danach suchen.

Wenn die Angst kommt und das Drama, könnte ich sie wahrnehmen und sein lassen. Ich könnte mich dann fragen, ob ich das Vorhaben auch ohne Angst und Drama in die Tat umsetzen kann. Ob ich es vielleicht einfach mal probieren möchte. Mich fragen, wie die Liebe das wohl machen würde.

Ja, das ist gut, diese Frage hat eine hohe Resonanz: Ich frage mich wie die Liebe das wohl machen würde.

Wenn es so wäre wie ich eben gelesen habe, dass die Liebe die einzige Macht ist, die existiert, was würde sie tun?

Ganz konkret würde sie mir erstmal erlauben mich kurz hinzulegen, weil ich sehr müde bin. Hatte ich bisher gar nicht bemerkt.

Sowohl als auch

‚Die Angst hat Priorität.‘

Was heißt das?

‚Solange sie Angst hat, darf sie sonst nichts machen. Sich nichts anderem zuwenden.‘

Sondern?

‚Erstarren, bis die Gefahr vorbei ist.‘

Verstehe, und warum das?

‚Weiß nicht. Ist so.‘

Was würde passieren wenn sie sich etwas anderem zuwenden würde?

‚Dann würde sie etwas anderes machen, aber das ist verboten.‘

Wieso?

‚Weil die Angst dann nicht genügend beachtet wird.‘

Ja, und dann?

‚Dann.. dann..weiß ich nicht, kann ich mir nicht vorstellen, ich kenne nur das, dass die Angst Vorrang hat.‘

Seit wann gibt es dich?

‚Schon lange, wenn sie damals nicht auf die Angst gehört hätte, wenn sie sich von anderen Sachen hätte mitreißen lassen, dann wäre es ihr noch schlimmer ergangen, dann hätte sie noch mehr Dinge getan für die sie bestraft und gehasst worden wäre. Die Angst hat ihr geholfen in diesem System zu bleiben.‘

Und ist das heute noch da, dieses System?

‚Ne.‘

Könnte sie dann auch sie Angst einfach da sein lassen und trotzdem etwas anderes machen?

‚Ja, theoretisch schon.‘

Ok, dann probieren wir das jetzt mal mit Sport.

….

Ich habe trainiert, dann lange gebadet, hach, das war so schön. Ich halte fest: das Leben kann auch schön sein wenn Angst da ist. Die Angst ist da und das Leben ist schön. Sowohl, als auch. Das kann ich für mich nicht oft genug wiederholen, weil das schwarz-weiß Muster mich fest im Griff hat.

Und, für mich ist es total wichtig nur den nächsten Schritt im Blick zu haben. Ich spinne gerne tausend mögliche Varianten zusammen und erhöhe die Spannung indem ich nach der tausendundersten suche, ich könnte ja was übersehen haben, aber das ist eh müßig, das Leben lässt sich nicht planen, es hat seinen eigenen Plan. Ich kann also immer nur eine Ausrichtung haben und den nächsten Schritt vor Augen, mehr geht eh nicht.

Kann ich heute bezüglich der Dinge, die mich stressen irgendetwas tun, also noch etwas vorbereiten oder überlegen?

Nein. Im Augenblick ist alles getan. Für heute gibt es nichts zu tun.

Dann könnte ich den heutigen Tag auch einfach entspannt zu Ende bringen? Ist ja immerhin Sonntag.

Ja, schon.

Und was ist der nächste Schritt in diese Richtung?

Ich lege mich ein wenig hin.

Das kleine Wesen und die höhere Macht

Ich würde gerne weiter essen. Der Drang ist nicht sehr stark, ich kann unterbrechen und schauen. Ich lasse mir die Option offen, später weiter zu essen, besonders weil ich den Magen gar nicht fühlen kann. Vielleicht habe ich auch noch Hunger.

Der Kontakt zum Magen ist unterbrochen, das ist Teil des Systems, ich fühle nichts und könnte einfach essen bis mir schlecht wird. Das war früher die Grenze.

Ich will das Unwohlsein nicht fühlen, ich bin schon mit diesem Unwohlsein aufgestanden, was ist da los? Ich stelle den Wecker auf 10 Minuten.

Ich spüre einen starken Druck auf der Brust, ein Brennen im Magen, ein Zittern im ganzen Körper. Ich bleibe einfach bei diesen Empfindungen. Gute 10 Minuten lang. Es tut so gut in Stille zu sitzen und nach innen zu lauschen.

Es kristallisiert sich eine innere Dauerspannung heraus, eine innere Hab-Acht-Stellung. Ich stelle die Frage, ob ich diese Empfindungen früher schon mal gefühlt habe. Ich sehe Bilder von mir als Kind, Grundschulalter, ich gehe zur Schule, ich gehe nach Hause, ich bin zu Hause, das Gefühl war immer da. Ein Gefühl von grundsätzlicher Unsicherheit. Jetzt höre ich einen Satz.

‚Ich bin nicht sicher auf dieser Welt.‘ Diesen Satz zu hören beruhigt mich, die Spannung geht runter. Es ist für mich jedes Mal wieder ein Moment schönster Innigkeit mit mir selbst, wenn sich das, was ist, deutlich zeigt.

Ich spüre weiter in den Satz hinein. Ich sehe in mir ein kleines Wesen, winzig und hell, das droht in ein riesiges Loch zu fallen, die Welt öffnet sich unter ihm, und es schwebt über dem Abgrund und hält sich krampfhaft an zwei dünnen Fäden fest, die es mit Mühe zu fassen bekommt. Die Hände rutschen immer weg, es muss ständig nachfassen, Entspannung ist nicht möglich. Auch keine Teilentspannung im ruhigen Hängen.

Und was wäre, wenn du einfach loslassen würdest? Kannst du dir das vorstellen?

‚Ja. Es ist so schwer und anstrengend hier zu hängen, ich kann nicht mehr. Du hast recht. Ich lasse einfach los.‘

Das ist nicht einfach. Die Hand kann es nicht einfach aufmachen. Es lässt sich Stück für Stück an den Fäden nach unten rutschen, aber ganz loslassen kann es noch nicht. Jetzt hängt es mit beiden Händen am Ende der Fäden, aber loslassen kann es immer noch nicht.

Die Wasserfrau erscheint, eine Helferfigur, sie strahlt in hellem Licht und wiegt sich geschmeidig im Rhythmus der Wellen. ‚Es ist in Ordnung‘, sagt sie, ‚du kannst vertrauen.‘ Sie legt ihre beiden Hände auf die Hände des kleinen Wesens.

Und jetzt lässt es los. Und anstatt wie erwartet nach unten zu fallen, schwebt es einfach in der Luft. Es ist als würde es von etwas gehalten werden. Von unten aus dem Loch steigt eine unsichtbare, warme, weiche, kuschelige Substanz hoch, sie stützt und trägt, das kleine Wesen legt sich hin und kuschelt sich ein, das warme weiche Etwas legt sich um das Wesen und umschließt es ganz.

Ich spüre diese Wärme und das Gehaltensein in mir, ich kann es fühlen, dass die Dinge in Ordnung sind so wie sie sind, dass sie so sind, wie sie sein müssen, dass nicht ich dafür sorgen muss und auch nicht dafür sorgen kann, dass es so ist, sondern dass eine höhere Kraft alles hervorbringt und uns trägt.

Der Satz: ‚Ich bin nicht sicher auf dieser Welt‘ hat gerade keine Macht.

Ich ankere diese Arbeit innerlich mit einer Bewegung, wie wir es in der Tanztherapie machen, ich fühle das Gefühl und lasse den Körper eine winzige Bewegung dazu aussuchen. Mein Körper gibt mir ein kaum wahrnehmbares Wiegen zur Seite vor.

Ich verbinde dieses Wiegen bewusst mit dem Gefühl von getragen werden von einer höheren, wohlwollenden Kraft, die alles hervorbringt und dafür sorgt, dass alles genau so ist, wie es sein soll.

Ach ja, essen will ich schon lange nicht mehr, ich habe über eine Stunde mit dieser Arbeit verbracht, den Magen kann ich wieder fühlen, ich habe auch schon wieder oder immer noch Hunger, aber der Drang zu essen ist weg. Essen ist nicht mehr dringend.

Danke.

Angst frisst Freude

Angst frisst Freude.

Sofort. Was auch immer ich mache, das mich auch meiner Komfortzone herausbricht, das wird sofort von Angst gekapert. Wenn ich es nicht mache, bin ich gelangweilt und frustriert. Egal wie, es ist immer verkehrt.

Ein Impuls will mich auf neue Wege bringen, das Überlebensprogramm will mich schön im Altbekannten halten.

Einem ganz starken Impuls folgend habe ich mich für das Praktikum gemeldet und seitdem macht mir die Angst die Hölle heiß. Um solchen Gefühlen zu entkommen habe ich mich lange Zeit im Kokon versteckt gehalten. Ich habe gedacht, wenn es möglich ist nichts tun zu müssen, dann ist alles ok, dann habe ich keine Angst mehr. Aber das stimmte nicht. Die Angst krallt sich dann eben auch noch die alltäglichste Handlung. Und ich lebe gleichzeitig an mir vorbei.

Und nun, nun bewege ich mich also, ich bewege mich in die richtige Richtung, das fühle ich ganz deutlich, aber es ist immer noch nicht einfach, es ist sogar noch schwerer, auch wenn es keine Option ist umzukehren. Denn wie es da aussieht weiß ich schon.

Ich bin hier festgeglüht, innerlich unter Strom, aber schon lange keine Kraft mehr dafür, der Strom lässt sich nicht abstellen. Die erste Stunde ist erst in zwei Wochen und ich bin jetzt schon im Ausnahmezustand.

Es gab Zeiten in meinem Leben, da freute ich mich auf Dinge, auch wenn sie neu und unbekannt waren, die Begeisterung siegte. Was ist passiert?

Ich fühle rein, die Begeisterung, die irgendwo im hintersten Eck wartet, kommt nicht durch. Etwas versperrt den Weg.

Inzwischen hatte ich Therapie. Gott sei Dank. Alleine bin ich da nicht durchgekommen. Es ging um die Erwartung, die ich an mich habe, alles absolut richtig und perfekt zu machen, um die Vorstellung ich stünde vor einen Tribunal, das abhängig von der Leistung über Leben und Tod entscheidet. Dieses Programm überlagert jegliche Begeisterung.

Es war schwer, den Angstpanzer aufzulockern, er wollte sich so gar nicht geschlagen geben, was letztlich geholfen hat, war der Gedanke, dass alle Menschen sind, dass ich etwas anbiete und es so gut mache wie ich kann und dass alle unbekanntes Terrain betreten, nicht nur ich.

Meine Aufgabe ich nicht eine perfekte Leistung abzugeben (was soll das überhaupt sein und wer will das beurteilen), sondern jede in ihrem Sosein willkommen zu heißen. Dieser Gedanke entspannt mich sofort.

Inzwischen ist es spät, der innere Starkstrom ist fast abgeschaltet, ich hoffe ich kann endlich schlafen.

Ich will das nicht fühlen

Ich bin total aufgeregt. Aus dem Nichts hat sich für mich eine neue Praktikumsstelle ergeben. Ich habe die Ausschreibung gelesen, in einem Impuls der Begeisterung angerufen und sofort die Stelle bekommen. Jetzt habe ich Angst vor der eigenen Courage.

Und bin so aufgeregt, dass ich essen will um mich abzudämpfen.

Was will ich jetzt nicht fühlen?

Da ist unglaublich viel Spannung in mir. Ich gebe ihr Raum. Ich bleibe einfach dabei und fühle meinen Atem und meine Füße.

Irgendein Teil von mir ist mit dieser Situation nicht einverstanden: ‚Schon wieder so viel Aufregung, schon wieder etwas Neues, ich will das nicht, das ist mir zu viel.‘

Zu viel inwiefern? Was befürchtest du?

‚Das kostet so viel Kraft, ich habe Angst dass mir die Kraft ausgeht.‘

Und wenn, was würde dann passieren?

‚Dann würde ich sterben.‘

Hast du das schon mal erlebt?

‚Nein.‘

Wie kommst du dann darauf?

‚Ich weiß nicht, was passiert, wenn mir die Kraft ausgeht.‘

Ok. Aber was kostet überhaupt so viel Kraft.

‚Das Aushalten.‘

Was hältst du aus?

‚Die Aufregung, die Angst, all das was mit dem Neuen verbunden ist.‘

Was heißt den aushalten genau? Wie machst du das?

‚Ich versuche das nicht so stark zu spüren, ich versuche das weg zu bekommen.‘

Und was wäre, wenn du das nicht versuchen würdest?

‚Dann wäre ich aufgeregt und hätte Angst.‘

Kannst du das für einen Moment zulassen?

‚Ja.‘

Ich fühle die Wellen der Aufregung und der Angst durch mich hindurchziehen, aber sie sind nicht mehr bedrohlich, sie überfordern mich nicht. Es ist mal wieder wie Karussell fahren. Sich überlassen und vom Leben berührt werden. Wenn ich dafür offen bin, dann ist es so einfach. Und trotzdem das Allerschwerste. Einfach alles fühlen was ist.

Sich wehren und weg haben wollen verursacht den größten Schmerz und ist dabei die erste Wahl. Schon schräg. Warum sind wir nur so, wir Menschen?

Wenn ein Gefühl da ist, ist es sowieso da, wir haben keine Kontrolle darüber, wir können es weder erschaffen noch verhindern. Aber wir tun so als ob, wir schämen uns für Gefühle, wir verstecken sie, wir jagen ihnen nach, wir verbieten sie, ganz so als hätten wir da irgendetwas zu sagen.

Das Essen ist kein Thema mehr. Nichts im Außen hat sich verändert, im Innen alles.