Mensch sein genügt

Liebe Angst, willst du dich zu mir setzen?

Ja, gerne.

Danke, dass du dich zeigst. Kannst du mir sagen, was du von mir brauchst?

Ich brauche ganz viel Daseinsberechtigung, dass ich nicht mehr verpönt, ungeliebt und versteckt werde, als dürfe es mich nicht geben. Es war so lange so.

Wie meinst du das?

Ich bin schon ganz lange da, aber früher konntest du mich nicht fühlen, ich lebte im Untergrund, das Fühlen von Angst wäre viel zu gefährlich gewesen, das durfte es nicht geben. Jetzt kannst du mich nicht mehr unterdrücken und das willst du auch nicht mehr. Doch sobald ich auftauche gerätst du in Aufruhr.

Ja, das stimmt. Ich fürchte mich dann. Angst bedeutet Gefahr.

Nein, Angst bedeutet erstmal nur Angst. Wenn du in die Augen des Löwen schaust, dann beduetet sie auch Gefahr, sonst aber nicht.

Aber es könnte etwas passieren.

Das stimmt, das könnte es immer. Du müsstest konsequenterweise immer Angst haben. Hast du das?

Nein.

Siehst du?

Nein, was soll ich sehen?

Dass es nicht darum geht, dass etwas passieren könnte, es geht um etwas anderes.

Hm. Solltest nicht du das wissen? Du bist doch die Angst.

Es geht um Schuld. Darum geht es. Sie ist dann schuld.

Ist sie schuld an der grundsätzlichen Unsicherheit der Welt?

So kennt sie es, was auch immer schief geht, sie ist schuld. Sie muss alles überblicken, alles kontrollieren.

Kann sie das denn?

Nein, natürlich nicht.

Müssen alle Menschen das?

Nein, nur sie.

Warum soll sie es tun, obwohl sie es gar nicht kann?

Sie muss versuchen das Unmögliche möglich zu machen.

Warum? Warum sie?

Weil sie sonst keine Daseinsberechtigung hat, sie muss perfekt sein.

Gibt es für sie kein Nachsehen, keine Milde, keine Freundlichkeit?

Nein, das hat sie nicht verdient, sie nicht.

Aber warum nicht, was ist an ihr so besonders?

Sie ist besonders Schuld und sie soll besonders leiden.

Warum?

Weil sie da ist.

Das ist der einzige Grund?

Ja. Mir fällt kein anderer ein.

Und nun? Ist das richtig so?

Nein, das ist falsch. Jeder der da ist darf da sein und hat das selbe Recht auf das Dasein. Es gibt keinen Grund warum sie besonders leiden müsste oder besonders schuld wäre. Sie muss nicht perfekt sein und auch nicht das Unmögliche möglich machen. Sie muss nicht alles überblicken und auch nicht alles kontrollieren. Mensch sein genügt.

Tränen, Tränen, viel Traurigkeit und viel Mitgefühl, weil es so ist wie es ist. Aber da ist auch ein inniges Gefühl des Verbundenseins mit mir, weil das, was ist, zum Mensch Sein dazugehört.

Und nun Angst? Wie geht es weiter?

Ich komme immer wieder. Darf ich dann bei dir sein?

Sicher. Jeder Gast ist willkommen, wie Rumi sagt, wer kommen will, hat seine Gründe, wer bin ich die in Frage zu stellen.

Danke, das tut mir gut.

Ich spüre den inneren Körper, dort tief drinnen ist es immer ruhig, immer schön. Ja, ich nehme an was kommt, ich bin dazu bereit. Ja ich bin bereit mich vom Leben lieben zu lassen. Bitte lieber Gott, hilf mir. So wie du mir immer geholfen hast. Danke.

Der Raum hinter der Angst

Ich habe gerade einen Selbsttest gemacht, so aus Spaß, der auswertet ob und wie stark esssüchtig man ist. Und, tadaaa!, Überraschung, ich bin überhaupt nicht esssüchtig.

Schon beim Beantworten der Fragen war mir klar, das meiste trifft auf mich nicht mehr zu, das war einmal, ist aber nicht mehr so. Die Dinge ändern sich wirklich, ändern sich umfassend und tiefgreifend.

Das macht mir Mut.

Und noch etwas habe ich festgestellt. Ich bin wieder in die Angstwolke eingetreten. Aus Erfahrung erwarte ich da nichts, sie verflüchtigt sich erst wieder, wenn das betreffende Ereignis vorbei ist.

Trotzdem habe ich angstfreie Momente. Wenn ich die Angstwelle voll annehme, wenn ich sie liebevoll hereinbitte und mich um sie kümmere, und wenn ich meine Aufmerksamkeit bewusst auf Dinge lenke, die die Liebe wachsen lassen.

Das klingt ja erstmal widersprüchlich, ist es aber gar nicht. Beide Herangehensweisen sind wichtig, habe ich herausgefunden.

Wenn ich nur bei der Angst bin, quasi beim Begleiten daran kleben bleibe, dann zieht mich das in einen Sog runter, aus dem ich nicht mehr rauskomme.

Wenn ich mich nur der Liebe zuwende, obwohl die Angst anklopft, dann laufe ich weg und verstärke sie damit, ziehe in den Kampf.

Also braucht es beides. Und das Zusammenspiel mit dem ich gut zurechtkomme ist immer die Angst zu beachten, wenn sie da ist, sie liebevoll zu begleiten, und dann aber auch aus der Liebe heraus, die Aufmerksamkeit abzuziehen und sie bewusst auf etwas zu lenken was essentiell gut ist. Z. Bsp auf den inneren Körper, auf den Atem, auf die Stille hinter den Geräuschen, auf Gott, der in meinem inneren wohnt. Was sich gerade zeigt.

Überhaupt, der innere Körper ist ein Wunder für sich. Eckhard Tolle sagt, solange wir mit dem inneren Körper verbunden sind, haben Spannungen keinen Raum.

Als ich das zuerst gehört habe konnte ich das nicht glauben. Aber ich habe es sofort ausprobiert. Und ja, sobald ich die Aufmerksamkeit auf die innere Energie lenke, setzt sie sich in Bewegung, Blockaden und Spannungen fangen an sich zu bewegen, es ist unmöglich die Spannung festzuhalten.

Mich bringt es auch in Kontakt mit einem tiefen Frieden, der unterhalb aller Wallungen liegt, mit der Tiefe des Ozeans. Noch ein Tor um diese Stille, die unbedingt liebevoll ist, zu erreichen. Denn das Liebevolle muss ich mir nicht dazu denken, muss ich mir nicht extra herholen, nein in diese tiefe ruhige Stille ist es direkt eingewoben, als sei die Stille die Liebe.

Ich bin so glücklich, am Sonntag dachte ich noch, mich erwarte eine Woche Angst, eine Angst der ich ausgeliefert bin und die ich nur irgendwie, so liebevoll wie möglich, überstehen kann.

Aber es gibt einen Raum hinter der Angst. Einen Raum der die Angst nicht wegdrückt oder negiert, der aber mit ihr durch sie hindurchgeht bis zu einem Punkt an dem die herrlichste Stille thront.

Die Wand

Das stabile geerdet Sein in der Liebe, die Verbundenheit mit dem klaren freien Teil ist nur solange da, solange ich nichts im Außen mache. Kontakt mit anderen, egal in welcher Form katapultiert mich im besten Fall ins Aushalten, im schlechtesten Fall in die Panik.

Die Erkenntnis des letzten Wochenendes. Nicht dass ich das nicht schon gewusst hätte, aber nun war der Vergleich für mich nochmal deutlicher, die Grenze schärfer und klarer sichtbar.

Angesichts all der Draußen Verpflichtungen, ist der Punkt der Ruhe, das Auge des Sturms für mich nicht mehr erreichbar.

Und wenn ich mich frage, was ich tun würde, wenn ich mich selbst lieben würde, kommt als Antwort, dass ich es annehmen würde, dass ich aufhören würde dagegen anzukämpfen. Dass ich den momentanen Stand der Dinge einfach anerkenne.

Aber leider geht das auch nicht.

Hatte inzwischen eine Therapiestunde, die erste seit sechs Wochen. Die war auch nötig. Meine Therapeutin konnte genau das für mich machen, was ich alleine nicht mehr konnte, freundlich auf alles schauen.

So konnte ich es am Ende der Stunde auch wieder. Anerkennen, dass die Wand aus Dissoziation und Angst, die sich immer wieder vorschiebt, mein Überlebensprogramm ist, mich gerettet hat.

Sobald ich sie ablehne, mich über sie ärgere, sie nicht haben will, verstärke ich nur das Muster, das Tor ist in der Liebe, nicht in der Angst.

Und in diesem Fall bedeutet Liebe, dass ich freundlich darauf schaue, dass gerade wenig Liebe zur Verfügung steht, weil die Wand alles abschneidet.

Ob ich freundlich darauf blicken kann hängt davon ab, inwieweit ich die Leistung dieses Musters anerkenne, inwieweit ich sehen kann, dass es mich gerettet hat. Und auch inwieweit ich akzeptieren kann, dass es immer und immer wieder startet und starten wird.

Denn oft schiebt sich die ‚das-war-doch-alles-nicht-so-schlimm‘ Einstellung in den Vordergrund, aber das ist die Stimme meiner Mutter, ihr Mantra, mit dem sie sich und mich eingelullt hat.

Doch es war schlimm, allein, dass ich eine solch massive Wand ausgebildet habe, dass ich so umfassend dissoziieren musste um die Angst zu überstehen, zeigt, wie schlimm es für mich war. Das braucht offensichtlich immer und immer wieder eine Anerkennung.

Aus der damaligen kindlichen Perspektive war ich hilflos der Willkür ausgeliefert, was passieren würde war nicht berechenbar, es konnte schlimm sein, es konnte tödlich sein, es konnte nichts sein. Ich musste mit allem rechnen, und konnte nichts berechnen. Totale umfassende Unsicherheit.

Nur Essen war die Grenze. Das Essen musste gesichert sein, das war das Einzige, was meine Mutter durchsetzen konnte, solange ich esse, passiert mir nichts, Time-Out, Waffenstillstand.

Ich verstehe die Zusammenhänge immer besser, in solchen Situationen hänge ich mich ans Essen, es darf nicht abreißen, sonst bin ich geliefert, solange der Essensstrom weiter fließt, habe ich Gefechtspause.

Außerhalb des Essens nur Wand, Totenstarre, nichts sehen, nichts hören, nichts fühlen, nichts schmecken, bis die Gefahr vorübergeht. Doch nach der Gefahr ist vor der Gefahr.

Wenn die Wand kommt, werde ich genau dorthin zurückgeworfen, in diese feindliche und unberechenbare Welt. Es wieder genau anzuschauen, es anzuerkennen, das bringt mich wieder in Kontakt mit der Liebe, mit meinem ganzen Mitgefühl meinem Schicksal gegenüber, mit der ganzen Milde zu der ich fähig bin.

Es kann eben nicht anders sein, aber die Liebe, die ist jetzt auch wieder da. Die Wand und die Angst bekommen auch etwas ab von der Liebe, der Druck geht runter, die Spannung sinkt.

Alles zu seiner Zeit

Ich wollte heute eine Übung machen, die ich gefunden habe: mir vorstellen, ich sei ganz neu auf dieser Welt und würde alles mit ganz frischen Augen anschauen. Was gefällt mir, was gefällt mir nicht, bei was fühle ich mich wohl, bei was nicht.

Klang irgendwie gut und ich hoffte damit meinem momentanen Thema ein wenig auf die Spur zu kommen. Wer bin ich, was will ich, was macht mir Freude.

Ich habe dann einen Haufen Dinge gefunden, die mir nicht gefallen, keine, die mir gefallen, es wurde immer enger, Druck kam auf. Druck ist für mich ein untrügliches Zeichen, dass etwas nicht stimmt, dass ich nicht aus der Liebe heraus handle.

Ich wollte mit der Übung aufhören, konnte es aber nicht mehr, ich war richtig im Sog drin, im Sog des Was-mir-alles-nicht-passt. Es endete in einem Streit mit meinem Mann, in dem er mir genau das vorwarf, dass ich nur sehe was nicht passt, aber überhaupt nicht sagen kann was ich denn stattdessen haben will.

Ja, das stimmt, der Spiegel, den er mir vorhält sagt die Wahrheit, ich kann es nicht sagen. Immer noch nicht. Und der Druck, den diese Übung bei mir gemacht hat, weist auch ganz deutlich darauf, dass es für mich noch nicht an der Zeit ist.

Ich will alles ganz schnell, am liebsten sofort. Aber ich habe doch gerade erst gelernt mir selbst beizustehen, habe doch gerade erst herausgefunden, dass nicht allein zu sein, mich liebevoll zu begleiten im Augenblick das Einzige ist, das mich gut fühlen lässt, unabhängig von anderen Umständen oder Aktivitäten.

Ich bin wahrscheinlich was diese Frage angeht noch in der Säuglingsphase. Kleinen Babys ist auch alles egal was sie machen oder wie es um sie herum aussieht, völlig unerheblich, solange sich jemand konstant, zuverlässig und passend um sie kümmert.

Ich bin aus dieser Phase noch nicht raus. Wenn ich mich verbinde, kann ich fühlen, dass ich noch Zeit brauche, dass ich noch viel nachtanken muss an existentiellen Dingen bevor ich ans Differenzieren herangehen kann.

Für mich geht es momentan vorrangig darum mir selbst ein stabiler Begleiter zu werden, damit der Teil, der es in der Kindheit nicht hatte, das Vertrauen ins Leben entwickeln kann. Damit ich die neue Erfahrung machen kann, dass ich immer gehalten werde, immer liebevoll angeschaut werde, nicht verurteilt, nicht kritisiert, nicht bestraft werde, dass das Leben mich liebt.

Irgendwann, wenn ich das ausreichend bekommen habe, werde ich von ganz allein meine Augen von der Mutter weg und Richtung Welt hin bewegen. Und wie man diesen Zeitpunkt bei einem Baby auch nicht erzwingen kann, so habe auch ich zu warten bis es soweit ist.

Ich kann diese Übung nun getrost sein lassen, der Essdruck, den ich inzwischen entwickelt hatte ist auch weg, es wird wieder ruhiger in mir, ich bin raus aus dem Sog.

Und wieder einmal möchte ich für mich festhalten, dass es ein Zurück gibt, zurück aus der Entfremdung, zurück aus der Enge, zurück aus dem Strudel, zurück aus dem Sumpf. Das Vertrauen darin ist schon gewachsen, denn während ich heute mitten in der Verzweiflung war, konnte ich auch ganz deutlich die Gewissheit spüren, dass das nicht der Endpunkt ist, sondern dass ich es bald auch wieder anders werde sehen können.

Wir sind alle gleich

Kinder sind krank, nicht alle, aber manche mit Erbrechen. In zwei Stunden muss ich los zum Praktikum, ich fühle mich elend. Die Schwingungen der Krankheit bedrücken mich total, ich fühle mich selbst schlecht, habe Angst, dass es mir in der Klinik dann auf einmal schlechter geht.

Überhaupt, es ist ein großer Widerstand gegen das Kranksein da, schon immer gewesen bei mir. Ich versuche mich mit der Sehnsuchtsmutter zu verbinden und mich so gut es geht durch diesen Termin zu tragen.

Auf der Autofahrt habe ich die Vereinbarung mit mir selbst getroffen, dass ich die wichtigste Person für mich bin. Auch, oder gerade in dieser neuen Situation mit unbekannten Menschen.

Immer wieder konnte ich mich zwischendurch an mich erinnern. Ich merkte dann sofort, dass ich fast nicht mehr atmete, absolut im Aushaltemodus war. Ich habe mich dann gefragt, wie es sich anfühlen würde, wenn das Leben mich wirklich lieben würde, und sofort musste ich lächeln.

Und nicht nur das, jedesmal wenn ich wieder voll mit mir verbunden war, spürte ich auch eine tiefe Verbindung zum Feld der Patienten. Wirkliches Einfühlen geht nur über die Eingenanbindung. Wenn ich von mir getrennt bin, bin ich von allen getrennt. Dabei bin ich das ja ursprünglich gerade um beim anderen zu sein. Was für ein Irrtum. Das konnte ich heute richtig ausprobieren. Raus und rein und raus und rein.

Noch eine Erkenntnis des heutigen Tages. Auch in der Psychiatrie geht es um die gleichen Themen. Kein Gefühl für sich, für seine Bedürfnisse, für seine Grenzen, keine Erlaubnis sich helfen zu lassen, keine Erlaubnis für sich zu gehen. Es geht immer um die Liebe, immer um die Selbstliebe.

Ob man dann in der Psychiatrie landet oder esssüchtig wird, alles eine Laune der Natur. Wir sind alle gleich und haben die gleichen Herausforderungen zu bewältigen. Oder immer nur die eine: zu lernen uns selbst zu lieben.

Von diesem Erlebnis beeindruckt konnte ich, als ich zuhause war, mich erst sofort hinlegen, bevor andere Dinge ihr Verführungswerk anfangen. Nach kurzer Zeit war sogar Küche aufräumen möglich, immer mit der Frage, wie mache ich das wenn ich mich selbst liebe. Wie kann ich meinen Zustand liebevoll integrieren? Ich habe alle paar Minuten Pause gemacht, habe zwischendurch Tee getrunken, und bin tatsächlich nach dem Aufräumen und Kochen besser beieinander als davor.

Wenn ich mir die Pausen, das Tempo und die Begleitung erlaube, die ich gerade brauche, dann laufe ich nicht aus, selbst dann nicht, wenn ich krank bin, im Gegenteil, ich tanke auf. Nur der springende Punkt für mich ist, es mir wirklich zu erlauben, es einfach machen gegen Widerstand, wenn ein Teil von mir dagegen ist, bringt nichts, hält nur den Kampf aufrecht. Dieser Teil braucht ebenfalls eine liebevolle Begleitung, eine Integration.

Damit ist meine Frage beantwortet, die ich ungefähr ein Jahr mit mir herumtrage. Warum bin ich immer fertig und energielos, obwohl ich so viele Pausen in meinen Alltag eingebaut habe?

Weil ich sie mir bisher nicht aus ganzem Herzen erlauben konnte. Das Leben gibt mir immer die Antwort, manchmal braucht es einfach etwas länger. ‚Das Leben liebt mich‘, ich liebe diesen Satz.

Tee trinken mit Frau Angst

Da ist sie wieder. Die Angst. Die Bedingungen im Außen sind wieder günstig, und schon kommt sie vorbei.

Wenig geht. Die graue Masse innen wird immer dichter, kein Durchkommen. Der kleinste Schritt ist bei mir sein in dieser Situation. Das ist auf jeden Fall tröstlich, von hier aus kann ich wenigstens ein wenig aus der Totalstarre herauslugen und schauen was ansteht.

Wie kann ich Tee trinken mit der Angst? Ich frage meine innere Stimme, die Führung in mir: Siehst du was mit mir los ist?

‚Aber sicher‘

Kannst du mir helfen? Was muss ich wissen oder tun?

‚Es ist an der Zeit die Angst wieder etwas näher anzuschauen‘

Ok Frau Angst, magst du mit mir Tee trinken?

‚Ich bin total berührt. Du lädst mich wirklich ein?‘

Ja, aber sicher, setz dich doch.

‚Darf ich wirklich? Darf ich dazugehören?‘

Aber ja. Geht es dir darum?

‚Auch, aber nicht nur.‘

Worum denn noch? Magst du mir etwas erzählen?

‚Es steht ja viel an, Praktikum, Kindergeburtstag, Einladungen, alles Dinge auf die ich reagieren muss.‘

Warum eigentlich?

‚Potentielle Gefahr, Unbekanntes Terrain.‘

Welche Gefahr?

‚Zum Beispiel beim Kartfahren. Auch wenn es ein Kinderpaket ist, da kann immer was passieren.‘

Ja, ich verstehe dich. Hier hänge ich, da komme ich nicht weiter. Bitte hilf mir es anders zu sehen.

….

Ich habe mich an einen Satz erinnert, den ich mal irgendwo gehört habe: ‚Tue was immer nötig ist um dir Sicherheit zu geben,‘ und ‚das Gefühl sagt etwas, aber was sagen die Fakten?‘

Also habe ich recherchiert. Und tatsächlich, die Hauptbeschwerden über die Kartbahn zu der wir gehen wollen, ist, dass sie das Tempo zu sehr drosseln, aus Sicherheitsgründen. Das hat mich sehr beruhigt.

Es wird wieder weiter, die Totalstarre weicht, es bleibt ein Gefühl der Erschöpfung.

Ich kann mich wieder verbinden, ich spüre Wärme und Raum und Erschöpfung und Erleichterung, dass das Raubtier bezwungen ist. Jetzt ist Zeit mich um mich zu kümmern, sagt die Liebe, es gibt nichts mehr zu tun heute.

Das stimmt, es gibt zwar noch verschiedene Termine, aber kein Raubtier mehr. Die Spannung weicht mehr und mehr, ich bin so dankbar, dass es immer ein danach gibt, nach der Angst.

Und nun Frau Angst?

‚Nun bin ich erstmal wieder fertig, bis zum nächsten Mal‘

Wo willst du hin?

‚Mich verstecken, wie immer?‘

Aber du gehörst doch dazu, willst du nicht einfach hier bleiben und einfach ruhen.

‚Darf ich wirklich?‘

Aber sicher, sonst würde ich nicht fragen.

‚Dann gerne. Ich bleibe‘

Frau Angst legt sich auf ein Kissen und macht die Augen zu. Die Tränen fließen. Dass Frau Angst bleiben darf, zu mir gehören darf berührt mich bis ins letzte Mark. Es ist so innig.

Alles ist erlaubt

Was muss ich heute wissen?

Das ist eine Übung um die Kommunikation mit der inneren Stimme, mit meiner liebevollen Führung zu stärken.

Ich halte inne und stelle mir den Wecker. Ich atme. Nach einer Weile höre ich ein ganz zartes Stimmchen: ‚Du darfst vertrauen. Du kannst aufhören dir Sorgen zu machen. Nichts ist gegen dich.‘

Wirklich? ‚Ja, wirklich.‘

Ich spüre Wärme und ein inniges Berührtsein. Hier spricht ein Wissen aus ganz tiefen Tiefen. Ich spüre Trost und Aufgehobensein. Ich bin niemals allein. Niemals.

Eigentlich hatte ich mich hingesetzt um die Niedergeschlagenheit anzuschauen, die mich seit gestern begleitet.

Gestern Abend wurde schon aus dem Nichts alles dunkel, ich habe, nach einer kurzen Phase des Widerstands, des Nichthabenwollens, dem Raum gegeben, habe dann viel geweint, es war die Trauer über das schwere Schicksal meiner Herkunftsfamilie. Ich sah viele Bilder, alles was sie haben überstehen müssen, alles was sie haben erleiden müssen. Ich konnte mich danach in voller Aufrichtigkeit vor dem Schicksal eines jeden einzelnen verneigen, das war mir ein Bedürfnis.

Heute morgen wache ich wieder etwas bedrückt auf. Und nun, fühle ich mich wieder angebunden, die Niedergeschlagenheit ist zu einer Ruhe geworden, einer Melancholie, die nicht bedrohlich ist. Weil nichts gegen mich ist.

Ich stelle fest, die Melancholie kommt in Wellen immer wieder, meistens ohne einen für mich ersichtlichen Grund. Mehr und mehr verstehe ist, dass sie dazu gehört, ein Teil meines emotionales Körpers ist. So wie mein physischer Körper, da er sehr beweglich ist, regelmäßig in alle Richtungen gedehnt werden will, also regelmäßig seine Reichweite spüren will, sonst schmerzt er, so will es auch der emotionale Körper. Er will regelmäßig in alle Richtungen gefühlt werden, seine Reichweite spüren, sonst schmerzt er. Einfach so, ohne Grund. Von der Melancholie zur Heiterkeit und wieder zurück. Wenn ich das zulassen kann, mich nicht in den Weg stellen kann, dann geschieht es von ganz alleine auf eine sehr berührende und innige Weise, und eine ganz ruhige Freude begleitet es.

Die Freude alles fühlen zu dürfen. Tatsächlich, ich verstehe nun was Michael Brown meint, wenn er sagt (frei übersetzt): ‚Wahre Freude (joy) ist alles fühlen zu dürfen.‘

Den ganzen Tag schon freue ich mich darüber, dass alles erlaubt ist. Schlecht fühlen, wütend sein, keine Lust haben, essen wollen ohne Hunger, müde sein, genervt sein.

Der erste Impuls, der, der mich schon mein ganzes Leben lang begleitet und leitet, ist es nicht zu wollen, mich dafür zu verurteilen und zu kritisieren und alles mögliche zu versuchen um es loszuwerden.

Ein paar Beispiele:

Ich will die Wäsche nicht waschen – ‚Stell dich doch nicht wieder so an, doch nicht jeden Tag dasselbe‘, als Ergebnis hasse ich die Wäsche noch viel mehr und fühle mich noch mehr gezwungen, manchmal geht es so weit, dass ich mich nicht in der Lage sehe in den Keller zu gehen.

Ich weiß nicht was ich tun soll – ‚Oh nein, alles ist sinnlos, jetzt weiß ich wieder nicht was ich tun soll‘, als Ergebnis bin ich frustriert, dass sich nichts ändert und fange an mich wegzubeamen, meistens mit Essen.

Ich bin genervt von den Kindern – ‚Du darfst nicht genervt sein, eine gute Mutter ist nicht genervt, sie hat immer Verständnis‘, als Ergebnis schäme ich mich so, dass ich keinerlei Kapazität mehr frei habe und die Kinder nur noch anschreie.

Heute habe ich mitten in diesem Selbstläufer-Programm innegehalten und mich erinnert dass ich alles fühlen darf, dass alles ok ist, dass mit mir nichts verkehrt ist und nur ich mir die bedingungslose Liebe geben kann, nach der ich mich sehne, ich dem ich mir immer Liebe gebe, egal was ich mache oder wie ich bin.

Die Wäsche bleibt eine unangenehme Tätigkeit, sie wird nicht plötzlich zu meiner Lieblingsbeschäftigung, aber, es ist nicht mehr verboten sie blöd zu finden, blöd finden ist erlaubt. Ich nehme mich bei der Hand und begleite mich dabei. Ich bin nicht mehr allein. Und dann finde ich mich wieder beim meditativen Wäsche-Aufhängen, weil ich vergessen habe sie blöd zu finden.

Ich weiß immer noch nicht was ich tun soll, aber auch das ist ok, wenn nichts an mir verkehrt ist, dann kann auch das nicht verkehrt sein. Boah, das ist so krass, irgendwie, nichts ist mehr falsch, ich brauche mich für nichts aber auch gar nichts mehr selbst niederzumachen. Ich freue mich, dass ich mich langweilen darf.

Bei den Kindern ist es am herausforderndsten, weil ich da handeln muss, irgendwie, rausnehmen geht nicht, ich erlaube mir das Genervtsein, das Nichtwissen, die falsche Reaktion. Es wird sofort warm und weich, als würde ich in ein warmes Becken eintauchen, der Kampf hört auf, ich brauche keine heftige Reaktion nach außen mehr, aber wenn ich eine hätte, dann würde ich sie mir verzeihen.

Es ist so unglaublich herrlich, wie im Paradies, sich selbst restlos zu verwöhnen, sich selbst zu behandeln, als sei man einfach immer in Ordnung, nichts ist verkehrt. Ich habe inzwischen richtig Spaß daran, das ist mein Lieblingsspiel zur Zeit, alles umdrehen, jede Kritik wird zur Erlaubnis, und auch die Kritik ist erlaubt, einfach alles, alles, alles. Wie abgefahren, wie schön, wie wundervoll.

Nichts ist schlimm, wenn ich es mir erlaube, nichts ist schlimm, wenn ich mich deswegen nicht allein lasse, nichts ist schlimm, wenn ich nicht aufhöre mit Liebe darauf zu schauen, alles, alles wird von einer grundsätzlichen Freude getragen, selbst unter Tränen.

Dieses Spiel spiele ich weiter.

Ich kann zurückfinden

‚Das Leben, oder das Universum oder das Göttliche, bewertet und verurteilt uns niemals, es kritisiert uns nicht, es wendet sich niemals gegen uns, es bestraft uns nicht. Es will uns nichts reinwürgen oder es uns schwer machen. Es will uns nicht auf die Probe stellen und uns nicht das Leben schwer machen.‘ Frei nach ‚Das Leben liebt dich‘

Das habe ich gestern Abend gelesen. Es hat mich schwer beeindruckt. Weil es eine so schöne Prämisse ist, wie wäre alles wundervoll, wenn es so wäre.

Gleichzeitig ist mir aufgefallen, dass ich über das Leben, Gott, Universum in der Regel ziemlich genau das Gegenteil denke.

Wir erwarten von Universum das selbe Verhalten das wir bei unseren ersten wichtigen Autoritätspersonen kennengelernt haben. In meinem Fall haben meine Eltern mir all das vermittelt: strengste Bewertung, Urteile, Kritik, Strafe, Schikane, bösartige Fallen, Hängenlassen im Falle von Nichtbefolgung, Demütigung, Ausweglosigkeit.

Das sind die Ursachen all meiner Ängste: ich fürchte etwas ‚falsch‘ zu machen, und dann folgt automatisch die strafende Reaktion des Lebens. Das ist ganz klar zu sehen, darum geht es im Kern immer. Und von der strafenden Reaktion des Universums bin ich überzeugt, ich habe es früher nicht anders kennengelernt.

Das ist die eine Sichtweise. Ich verbinde mich und schaue mal, ob ich es auch anders sehen kann.

Mit fällt ein, es gab zwei Personen, meine Oma väterlicherseits und mein Opa mütterlicherseits, die anders waren. Bei ihnen war ich stets willkommen, sie haben mich nicht kritisiert, nicht bewertet, niemals bestraft, alle meine Wünsche waren gültig und sie haben sich bemüht sie zu erfüllen. Sie haben mich ernst genommen, als Mensch gesehen. Vom Rest der Familie wurde ihnen vorgeworfen, dass sie zu weich seien und mich mit dem Verwöhnen verderben würden. Deswegen behielt ich das Gefühl, dass ich so eine Behandlung eigentlich nicht verdient habe, sie mir quasi erschlichen habe.

Aber hier gab es für mich vom Leben ein anderes Modell. Eine Blume in der Wüste um die Hoffnung nicht sterben zu lassen. Das Leben hat mir geholfen.

Und wie oft habe ich in meiner Jugend und in den Zwanzigern, als ich ein lebensmüdes Verhalten an den Tag gelegt habe, mir rückblickend gedacht, was für ein Glück ich hatte, es hätte bei gleichen Vorraussetzungen viel, viel schlimmer kommen können. Ich hatte tausend Schutzengel. Auch da hat mir das Leben geholfen.

Und habe ich nicht meinen Mann und die Kinder bekommen, als ich sie mich gewünscht habe? Sie wurden promt geliefert, das Universum hat mich nicht gequält.

Was ist wenn es wahr ist? Das uns das Leben liebt, das es niemals bewertet, verurteilt oder straft, geschweige denn uns mit Absicht quält?

Ich bin bereit mich dafür zu öffnen, ich bin bereit mich heute vom Leben lieben zu lassen, das weiß ich deswegen, weil ich bei dem Gedanken von freudiger Erwartung und Sehnsucht durchströmt werde, eine ganz sanfte wohltuende Welle, das ist für mich das Richtige.

Inzwischen ist wieder die Wäsche dran. Weiß nicht was die Wäsche an sich hat, dass sie immer aufs Neue Widerstand hervorruft. Ich habe jetzt mit Härte die Wäsche eingesammelt, fühlte mich dabei immer schlechter.

Dann konnte ich mich erinnern, dass ich das so nicht mehr wollte. Einfach machen und über mich drübergehen.

Was würde jemand tun, der sich selbst liebt?

Die Antwort kommt sofort: Innehalten und schauen was los ist.

Also gut. Ich stelle den Wecker auf 10 Minuten.

Unruhe, Schwäche, Schwere. ‚So sollte es nicht sein, so sollte ich mich nicht fühlen‘. Ach so, Frau Sollte ist unterwegs. Wie kommst du denn nur darauf, und in welcher Welt kann es dich denn geben, Frau Sollte?

‚In einer Welt in der es ganz genau Vorgaben gibt und Verhaltensregeln, da ist schlecht fühlen verboten.‘

Ich verstehe. Komm rüber und setz dich zu uns, wir schauen wir mal die Welt an in der wir lieber leben wollen.

Ich umarme die Frau Sollte, sie darf auch da sein, sie kann ja nichts dafür, sie hat nichts anderes gelernt. Aber am Steuer sitzen darf sie nicht. Das versteht sie, sie setzt sich hin.

Nun sitzt die Sehnsuchtsmutter wieder am Steuer, die Liebe, mein freies Selbst. In diesem Licht ist schlecht fühlen absolut erlaubt, es wird nur liebevoll begleitet.

Es wird wieder warm und weich in mir drin, Wäsche waschen ist nur eine Tätigkeit, keine Strafe, ich mache es nicht gern, auch das ist ok.

Es ist wieder Frieden eingekehrt, ich fühle mich nach wie vor schwach und schlapp, trotzdem habe ich viel mehr Energie als vorher, auf einer anderen Ebene. So viel Energie, dass ich mich bei Wäsche waschen im schlappen Zustand liebevoll begleiten kann.

 

Shift

Die erste Stunde des Tages ist rum, Kinder sind zur Schule aufgebrochen, die zwei Kleinen sind krank zuhause. Jetzt erst, als Ruhe einkehrt und ich vor meinem Tee sitze, fällt mir die Frage wieder ein: ‚Was lässt mich gut fühlen?‘

Bisher nichts, auch im Augenblick nicht. Ich verbinde mich mit der Sehnsuchtsmutter und in der Tat, dann fühle ich mich gut, wärmer und weicher und weiter. Ich spüre die Liebe in mir. Sofort merke ich, dass ich unglaublich müde bin, und ich mich am besten gleich wieder hinlege.

Von den äußeren Bedingungen spricht nichts dagegen, und doch etwas hält mich am Stuhl kleben. Ich verbinde mich erneut, dieses etwas hat mich rausgehauen, im Licht der Liebe wird klar, das dem ein Verbot entgegensteht, ein Verbot der Kategorie ‚das macht man nicht‘.

Die Liebe umarmt diesen Teil, und sagt: ‚Ja, ich weiß, dass du denkst, es sei verboten, aber so ein Verbot existiert nicht wirklich, es ist eine Illusion. Oder fällt dir ein stichhaltiger, konkreter Grund ein, warum sie sich nicht hinlegen kann?‘ Nein, da ist kein konkreter Grund.

Ich spüre nun die volle Erlaubnis mich hinzulegen.

Ich habe original fast vier Stunden geschlafen, bis die Kinder aus der Schule gekommen sind. Gut die erste Stunde zählt vielleicht nicht, weil mich die kleinen alle 5 Minuten geweckt haben, weil sie dies und jenes noch brauchten, aber irgendwann haben sie sich zum Spielen verzogen und ich bin in einen tiefen Schlaf gefallen.

Mitten drin wurde es lauter, ich bin kurz aufgewacht, schaue auf die Uhr, denke, oh, so spät, ich sollte aufstehen, dann aber nein, ich bleibe noch kurz liegen, drehe mich auf die andere Seite um und spüre eine starke Erleichterung und ein Wohlgefühl. Notiere im Einschlafen, weiterschlafen lässt mich gut fühlen.

Inzwischen sitze ich am Schreibtisch, schiebe alles vor mir her und weiß trotzdem nichts mit der Zeit anzufangen und fühle mich nicht gut. Eng und unter Spannung. Ich will das gar nicht haben.

Ich verbinde mich und unter der Wärme der Liebe öffnet sich die Enge wie eine Seerose und offenbart sich als großes Bedürfnis nach Trost. Ich umarme mich innerlich und tröste mich. Ich fühle mich körperlich angeschlagen, das ist für mich schwer zu ertragen. Deswegen brauche ich Trost.

Ich glaube bei mir ist eine Verlagerung passiert, ein ’shift‘ wie Robert Holden sagt (ich habe das Buch mit diesem Titel gar nicht gelesen, nur passt das Wort so gut auf meinen Zustand). Während ich früher bei jedem Unwohlsein mitten hineingesprungen bin, und mich in einem Strudel wiederfand aus dem ich nur mit viel Zeit und Einsatz wieder herausfand, so steht mir heute eine kürzere und liebevollere Variante zur Verfügung.

Wenn ich mich zuerst mit der Liebe verbinde, dann strahlt sie durch das Unwohlsein hindurch und um das Unwohlsein herum, so dass erstens offenbart wird worum es geht, und es zweitens gleichzeitig automatisch bekommt was es braucht. Auch wenn es noch da ist, es ist jetzt liebevoll versorgt und aufgenommen, ich fühle mich ein Stück mehr vollständig.

-Mit der ganzen Kraft der Liebe bei meinem Unwohlsein zu sein, dass lässt mich gut fühlen.

-Mir liebevoll zu erlauben was ist, das lässt mich gut fühlen.

-Mich liebevoll zu begleiten, dass lässt mich gut fühlen.

-Mich zu fragen was jemand tun würde, der sich selbst liebt, dass lässt mich gut fühlen.

Bisher konnte ich keine einzige Handlung oder Begebenheit identifizieren, die an sich für mich gut ist. Es kommt darauf an durch welche Brille ich sie anschaue.

Ich brauche das Experiment nicht weiterzumachen, das Ergebnis ist eindeutig. Selbst eine totale Euphorie fühlt sich nicht gut an wenn sie nicht mit der Liebe verbunden ist. Das was mich gut fühlen lässt ist mich mit der Liebe zu verbinden.

Ich habe mich immer gefragt, warum mich euphorische Glückszustände anstrengen und im Essanfall enden um mich wieder runterzubringen.

Heute bekam ich die Antwort. Ich hatte zwischendrin so einen freudigen Rauschzustand, hochenergetisch, aufgedreht, aber gut habe ich mich dabei nicht gefühlt, eher getrieben, unter Spannung, wie an eine Starkstromsteckdose angeschlossen.

Dann habe ich mich verbunden, und konnte mir dabei liebevoll beistehen, mich selbst begleiten, mit einem verständnisvollen Lächeln, und sofort fühlte sich das gleiche Gefühl gut an, das Getriebene war weg.

Eigentlich wollte ich heute ein wenig mehr herausfinden was ich mag oder nicht, stattdessen habe ich herausgefunden, dass nur in der Selbstliebe das Wohlgefühl liegt, besser gesagt, in der Haltung und der Handlung, die aus der Selbstliebe entspringt. Denn wenn die Liebe will, dass ich mich hinlege, ich das zwar wahrnehme aber nicht tue, dann falle ich automatisch aus der Selbstliebe raus, und ich kann zuschauen wie Spannung und Unwohlsein zunehmen.

Ich habe nun drei Möglichkeiten mich mit der Liebe zu verbinden, je nachdem welche gerade zugänglicher ist. Ich kann mich emotional direkt mit dem Gefühl verbinden, das geht nicht sehr oft, ich kann mich über das Bild der Sehnsuchtsmutter verbinden, geht oft aber nicht immer und nun habe ich noch die Frage, bisher geht die immer. Hurra! Danke!

Und was würde jemand der sich selbst liebt an meiner Stelle jetzt tun? Er würde die Küche aufräumen, das ploppt sofort auf. Die Liebe will, dass meine Umgebung schön ist, damit ich mich wohlfühle. Na dann, dem kann ich nur folgen.

Das warme Gefühl in meiner Brust breitet sich aus, ich bin ganz berührt davon, dass die Liebe sich so gut um mich kümmert und an alles denkt, auch an so etwas wie die Küche.

Was lässt mich gut fühlen?

Heute war ein merkwürdiger Tag. Zwischen all dem aufgeregten Geflatter habe ich unglaublich viel gelesen, wild drauf los im Internet. Ich kam auf alle möglichen Websiten, Artikeln und Leseproben von Büchern, dass mein Kopf qualmt.

Wenn ich in so einer Rage bin, dann merke ich auch, dass mich etwas antreibt, ich kann nicht damit aufhören. Natürlich will ich es nicht haben, weil es getrieben ist und weil es mich auslaugt.

Heute kann ich entspannt darauf zurückblicken, ja es ist getrieben, und ja es fordert mich, strengt mich an, aber das ist auch mal ok. Wenn das Feuer brennt muss ich eben die Suppe kochen.

Es macht so unglaublich viel Spaß sich alles zu erlauben, absolut alles. All die Zustände, die normalerweise von den üblichen Instanzen sanktioniert werden, dürfen einfach sein. Sie gehören zu mir, zu meinem momentanen Ausdruck, sind Teil des Lebens das mich liebt. Mit diesem Satz kann ich immer mehr anfangen. Wenn mir das einer vor sechs Monaten erzählt hätte, hätte ich ihn mitleidig angeschaut. Da konnte ich Liebe kaum schreiben geschweige denn aussprechen. So unangenehm war mir das. Und nun geht mir das immer flotter über die Lippen, alles ist möglich.

Ich habe aus meinen Recherchen noch zwei Dinge mitgenommen. Den Satz: ‚Was würde jemand tun, der sich selbst liebt?‘ Das ist so eine Art Pendant zu meiner Sehnsuchtsmutter, weil es einfach Momente gibt, in denen der Zugang so verstellt ist, dass ich mich nicht verbinden kann. Und diese Frage bringt mich über die mentale Ebene wieder zurück. Auch das geht.

Und meine Lieblingsfrage des heutigen Tages ist: Was lässt mich gut fühlen? So ganz schlicht und ohne weitere Beurteilung ob denn das auch im Sinne welchen Systems auch immer erlaubt ist.

Befreiung zur Freude. Und wenn man, so wie ich, der Freude in seinem Leben bisher nicht viel Raum gegeben hat, wenn man gar nicht weiß was das genau sein soll, weil man sie erstens selten fühlt und zweitens sich auch nicht nach ihr richten würde, wenn man sie fühlen würde, dann könnte das eine Hilfe sein.

Und sich nach der Freude zu richten, die Freude zum Leuchtturm zu machen, der uns den Weg weist, das wird uns nicht beigebracht, das ist nicht hoch angesehen. In meiner Kindheit spielte Freude keine Rolle, es ging um Leistung, ums brav sein, um so sein wie es andere erwarten, aber niemals darum was mir Freude macht. Im Gegenteil, wenn ich mit Freude als Begründung ankam, dann war das ein sicherer Grund mein Anliegen besonders misstrauisch zu beäugen um es so schnell wie möglich abzulehnen. Aus der Freude kann nur etwas Schlechtes, Liederliches, im besten Falle Unnützes rauskommen, das glaubten alle um mich herum. Härte und Selbstüberwindung waren die herrschenden Götter.

Mich also zu fragen was mir Freude macht ist schon eine Überforderung, da habe ich keine Antwort drauf. Hier kommt die Frage ins Spiel. Was lässt mich gut fühlen? Das kann ich beantworten.

Ich möchte mich morgen dieser Frage widmen, absolut unzensiert (vor mir selbst) und für alles offen, und mal schauen, was es denn so sein wird, und ob es überhaupt etwas sein wird. Ich bin gespannt.

Ich kann schon mal festhalten, diese Verabredung mit mir selbst getroffen zu haben lässt mich gut fühlen.